Methode - mein Lebenswerk
Mikrointegration im kollektiven Feld. Wurzeln & Besonderheiten
Die Basis meiner therapeutischen Arbeit
Mikrointegration im Kollektiven Feld
„Warum arbeiten nicht alle so wie du?“
Diese Frage höre ich nicht selten.
Mikrointegration im kollektiven Feld ist ein hochpotenter und noch kaum bekannter Weg, Menschen mit Bindungs- und Beziehungstrauma am tiefsten Punkt des im Körper gespeicherten impliziten Beziehungswissens zu erreichen.
Alle Ebenen von Trauma (biografisch, transgenerational, kollektiv und kulturell) werden gleichzeitig zugänglich, sichere Bindung und tiefgreifende Heilung in kürzester Zeit möglich.
Nur verkörpertes und nicht bewusstseinsfähiges implizites Bindungswissen wird durch neue Referenzerfahrungen nachhaltig überschrieben, sodass sich von dort aus alles ändert und sichere Bindung auf einem kulturell vollkommen neuen Standard von Nähe, Verbundenheit und Intimität installiert wird.
Der Kern der Begleitung ist es, die verinnerlichten Beziehungsszenen von „ich und ein Anderer“ aus Worten und Körper zu lesen, auf allen Altersstufen als Bezugsperson mit einzusteigen und die Klienten feinfühlig und sicher auch auf frühkindlichen Ebenen von Kontakt zu beantworten. So wird in denkbar kürzester Zeit sichere Bindung nachträglich möglich.
Dabei spielt die unmittelbare körperliche Begegnung und Coregulation mit Blicken, Berührung, Stimme, Tönen und Worten innerhalb eines gemeinsam kreierten Bedeutungsfeldes im Raum eine wesentliche Rolle.
Ein Kompliment meines Supervisors vor etwa 15 Jahren:
„Was Sie in drei Jahren geschafft haben, hätten Ihre Kollegen nicht in zehn Jahren geschafft.“
Nahe Berührung, die genau so ist, dass du satt wirst.
Feinfühlig, nahbar und sicher.
Der uralte Hunger endet und du verstehst in der Tiefe, warum es nie gereicht hat.
Du nimmst dir so viel, wie du brauchst. Nähe im Überfluss, bis dein System es begriffen hat:
Dass Nähe sicher ist.
Ein für dich bedeutsames Feld - und ein Gegenüber, das dich lesen kann. Das keine Hemmungen hat, dich so richtig nah kommen zu lassen. So, dass etwas in der Tiefe aufatmet, weil du mit deinem Sehnen endlich ankommen darfst.
Für dich, wenn dein Leben nicht einfach begonnen hat. Wenn die klassischen Therapien oder Traumatherapien nicht ausreichen. Oder für dich als Profi - für eine köstliche Ergänzung und Vertiefung deines Wirkens, für so viel mehr Lebendigkeit
- DAS VIELFÄLTIGE FUNDAMENT aus wissenschaft & Spiritualität
Wurzeln der Mikrointegration
- Moderne relationale Psychoanalyse
- Psychoanalytisch fundierte Körpertherapie
- Bindungsforschung
- Selbstpsychologie (Disruption & Repair)
- Traumatherapie (Elemente aus SE, Nervensystemregulation, NARM)
- Systemische Aufstellungselemente (Somatische Ego States, Gefühle, Symptome, Personen, traumatische Szenen, kollektive Felder)
- Gewaltfreie Kommunikation
- 35 Jahre eigene Forschung hinter den roten Linien unserer Kultur (Geburtskultur, Schulkultur, Therapiekultur, Liebes- und Sexkultur)
Was macht Mikrointegration so besonders?
Eine holistische Brücke in eine neue Zeit
Sie schlägt eine Brücke zwischen Bereichen, die unsere Kultur beharrlich trennt: Wissenschaft & Spiritualität; Geist, Seele & Körper; Nähe, Intimität & Bindung.
Sie greift zentral ein Element auf, das unsere therapeutische Kultur aus tragisch guten Gründen hartnäckig ausklammert: Körperliche Nähe, Halt und Berührung.
Damit ist sie in der Lage, unser frühestes und tiefstes Liebessehnen aus der Zeit größter Abhängigkeit zu beantworten, das in den gängigen Therapiengeboten hartnäckig ausgeklammert wird.
So wird es möglich, das tiefgreifende kollektive und kulturell intra- und interpersonelle Dilemma zwischen unerfüllter Sehnsucht nach wirklicher Nähe und Angst vor Abhängigkeit erstmalig am tiefsten Punkt nachhaltig zu lösen, ohne dass eine ungute Regression oder Abhängigkeit entsteht.
Das ist ganz besonders für Paare eine riesige Chance, die „üblichen“ Krisen zu überwinden und in tiefste beglückendste Verbindung zu kommen. Wesentlich tiefer, als unsere kulturellen Rollenbilder es zulassen. So wird durch die Begleitung mit Mikrointegration ein Grad an Wahrhaftigkeit und Erfüllung in Partnerschaft und Intimität.
Gemeinsame Heilung als Paar in einer Tiefe, die das üblicherweise erwartbare gesellschaftliche Normal verschiebt.
- eine Methode, die den unterschied macht
Warum geht Mikrointegration über alle bisherigen Bausteine hinaus?
Weil ich die rote Linie unserer Kultur überschreite und genau das integriere, was ernst zu nehmende therapeutische Verfahren bisher ausdrücklich vermeiden: Ein tiefes Ausmaß an echter Nähe, großflächiger Berührung und radikaler Wahrhaftigkeit in einer therapeutischen Beziehung.
Nach jahrelanger eigener Forschung hinter den Kulissen des kulturell Normalen habe ich ein präzises, kleinteiliges Handwerkszeug entwickelt – die Mikrointegration im kollektiven Feld.
Sie verkörpert ein völlig neuartiges postpatriarchales Menschenbild auf Augenhöhe, das frei von Machtstrukturen und Manipulation ist.
Das Besondere daran: Durch wissenschaftlich fundierte, zutiefst feinfühlige Körperarbeit verankerst du wesentliche Neuerfahrungen so sicher in deinem Nervensystem, dass sich Nähe und Bindung endlich wieder dauerhaft sicher anfühlen – ohne dass eine ungesunde Abhängigkeit entsteht.
Praxisbeispiel 1: Einzelarbeit
Sie ist eine absolut toughe und kluge Frau. Blitzgescheit ist ihr zweiter Vorname. So wie es oft bei Menschen mit schweren Bindungstraumatisierungen ist.
Verstand, scharf wie ein Messer, als hochpotente Kontrolle.
Sie ist eine absolute Erklärbärin. In den ersten Sessions hatte sie ohne Punkt und Komma geredet, so dass ich in der Zeit der Frage nachlauschen konnte, was sie eigentlich von m i r will, wenn sie den ganzen Raum füllt.
Denn natürlich will sie etwas.
Seit ein paar Jahren ist sie mit ihren beiden Töchtern aus einer Ehe mit einem stark narzisstischen Mann raus.
Tatsächlich verwende ich diesen Stempel fast nie – auf meiner Seite bei NARZ MICH NICHT, wo ich Kooperationspartnerin bin, präsentiere ich mich sogar mit dem Satz „wer eineN NarzisstIn liebt, ist selbst eineR. Ich sprech aus Erfahrung.
Nach mehreren Jahren Scheidungskrieg ist sie am Ende. Ihre Mutter hatte gute Vorarbeit geleistet. Ihr Vater, der schwerer Alkoholiker war, konnte die Sache auch nicht retten.
Nach jedem der ersten zwei Retreats hat sie Welten bewegt. Nach dem ersten konnte sie von „immer gegen sich selbst“ auf ihre Seite wechseln und sich selbst mehr glauben als ihren Zweifeln.
Nach dem zweiten konnte sie die Beziehung zu ihrer einen Tochter retten, die im Krieg zwischen ihren Eltern den Part übernommen hatte, zum Exmann zu halten. Einmal die innere Spaltung ihrer selbstwertverwundeten Innenwelt weitgehend integriert.
Dafür war es nötig, eigene Täteranteile in sich anzuerkennen. Gar nicht leicht, wenn so viel Opfersein, so viel Schmerzwucht in ihrem Inneren brennt.
Jetzt hat sie sich von ihrem aktuellen Partner getrennt, der auch jegliche Verantwortung weit von sich weist, und ist froh, nicht wie sonst immer rückfällig zu werden.
Aber sie ist auch unendlich traurig. Weil sie sieht, wie sehr sie an all diesen Verbindungen festgehalten, ja, sie gepuffert hat…- warum eigentlich?
In den Sessions zuvor war Berührung undenkbar gewesen. Dabei ist sie deshalb zu mir gekommen. Jetzt…- vielleicht?
„Wie wäre es, mit den Augen anzufangen?“, frage ich. „Wir bleiben jetzt einfach sitzen und du kannst forschen, was geschieht, wenn du mit deinen Augen kleine Stippvisiten in meinen machst – aber erst, wenn du ein Ja dazu in dir hast. Kein Muss, gar nichts. Und nur so lange, wie es gut zu machen ist. Wie klingt das?“
„Boah, ich sterbe schon bei der V o r s t e l l u n g“, sagt sie, „fast noch schlimmer als im Raum auf dich zukommen, aber das geht g a r n i c h t.“
„Ja, Blickkontakt rührt unmittelbar an die tiefste Scham“, sage ich. „Wie wir angeschaut wurden von unseren Menschen. Sie ist von Herzen eingeladen, dabei zu sein.“
Es wird still zwischen uns. Kaum atmet sie noch. „Atmen nicht vergessen – ist lebenswichtig“, sage ich. Es dauert eine ganze Weile, bis sie einen winzigen Blick riskiert.
Sofort schießen ihr Tränen in die Augen und sie schließt sie wieder. Ich atme hörbar mit einem tröstlichen Seufzer, damit sie es nicht vergisst.
„Verrückt, ich kann es kaum aushalten, dass du mich siehst – dabei wünsche ich es mir immer so sehr.“
Zwei, drei Mal geht es so. Sie sagt kein Wort dabei, ist aber sichtlich schwer am Kämpfen.
„Puh, so schwer“, sage ich. „Ja. Da ist so viel Scham. Und mehr noch…- so ein Gefühl, nicht würdig zu sein, angeschaut zu werden…“
Mir selbst kommen die Tränen. Es ist zum Steinerweichen. Dieses Kind, das so verzweifelt und ohne jede Chance darum rang, gesehen zu werden.
Etwas staunend schaut sie mich an. „Das habe ich wirklich noch n i e erlebt – dass ich jemanden damit so erreicht habe“, sagt sie beinahe fassungslos. Aber mit einem ganz leisen Lächeln.
Dann scheint es leichter zu werden.
„Oh“, sage ich, „das war schlimm. Aber ja, mit diesen frühesten Bindungsverletzungen ist es so, dass das, was wir am allermeisten ersehnen, uns gleichzeitig am allermeisten Angst macht.“
„Ja, es tat so weh, immer nur in Augen zu schauen, die an mir vorbei schauen – die kann ich ja nie erreichen.“
Und nach einer Weile: „Ich glaube, es ist gar nicht DEIN Blick, der mich so quält. Ich spüre nur daran, dass meine Mutter mich NIE gesehen, sondern durch mich hindurch geschaut hat – auf das Bild, dem ich entsprechen sollte. DAS ist es, was so weh tut.“
„Ja, ganz genau“, sage ich, „so gut, dass du das gerade spüren und unterscheiden kannst.“
Sie schaut jetzt immer wieder, ohne dass es noch SO schwer ist. Die Momente, in denen unsere Blicke sich treffen, werden länger.
„Es ist so fremd, so angeschaut zu werden. So bin ich noch nie angeschaut worden. Da kommt jetzt so ein Misstrauen in mir auf.“
Tatsächlich legt sie ihren Kopf ein bisschen schief und die Augen werden zu Schlitzen. „Ja, prüf mich ruhig“, sage ich, „du hast mehr als gute Gründe dafür. Aber wie schauen denn meine Augen?“
Sie überlegt. „Warm….- und wach….- und ganz interessiert….- aber gar nicht so, als würden sie irgendwas Bestimmtes von mir erwarten.“
„Ah“, sage ich, „die Blicke deiner Mutter brauchten etwas Bestimmtes von dir…“
„Oh ja“, sagt sie vehement, „ich sollte immer IHR die Nähe geben, die sie brauchte. Sie mit Kuss umarmen, wenn ich zu Besuch kam – sonst hing der Haussegen schief und sie war beleidigt.
Und einmal, das erinnere ich, da hat sie mich mitten in der Nacht geweckt und kam zu mir ins Bett. Ihr Liebhaber war irgendwie doof zu ihr gewesen. Sie war verzweifelt und wollte sich das alles von der Seele reden und von mir in den Arm genommen und getröstet werden.“
„Oh ja, das ist richtig krass“, sage ich. „Da hat sie dich in d e i n e n Bedürfnissen ja wirklich gar nicht gesehen und nur einen Container gebraucht.“
Sie atmet tief und schaut mich jetzt lange an. Auf einmal ist wie ein Entsetzen in ihren Augen.
„Oh je, jetzt kommt da so eine diffuse Angst in mir auf….- wie davor, dass es dann doch wieder verloren geht, wenn es so schön ist und ich das wirklich glaube.“
„Jaaaaa“, sage ich, „wenn es sowas gab in deinem Leben, was sich so schön anfühlte, dann ist es immer früher oder später ins Gegenteil gekippt und war verloren.“
„Ja…- es gab ja diese Momente, wo A. (ihr letzter Partner) mich immer wieder so fürsorglich beantwortet hat, wenn er unbedingt alles richtig machen wollte – eigentlich fast ZU viel…“
„Und es ist superschwer für dich, das auseinander zu halten von etwas, was du gefühlt gar nicht kennst. Das geht auch erstmal gar nicht anders“, sage ich.
Immer wieder schaut sie, und mit jedem Mal wühlt sie sich ein Stück weiter durch den Berg ihres unlösbaren frühen Dilemmas in ihrem tiefsten Liebessehnen, das von niemandem beantwortet wurde. Nur enteignet.
„Jetzt kann ich glaub nicht mehr – ich bin total erschöpft“, sagt sie.
Ihre Schminke ist weg vom Weinen und ihre Gesichtszüge sind ganz weich geworden. Ruhe ist eingekehrt, wo dieser endlose Wortstrom war.
„Aber da ist so eine Ruhe in mir, als wäre ich zum ersten Mal in einem tiefen Kontakt auch bei m i r geblieben.“
Ja. Der Anfang von etwas ganz Großem.
GENAU DARUM GEHT ES IN MEINEM WIRKEN: DIESEN ORT IN DIR ZU FINDEN, VON DEM AUS ES MÖGLICH IST, INTIMITÄT ZU WAGEN, DIE KEINEN PREIS HAT.
Gemeinsame Heilung als Paar in einer Tiefe, die das üblicherweise erwartbare gesellschaftliche Normal verschiebt.
Praxisbeispiel 2: Einzelarbeit in der Gruppe
Er sitzt da vor mir mit einem sehr langen Seil. So eine Art Segelseil, dick und orange. Langsam legt er es sich um den Hals. Schlingt es um seinen Rücken und einen Arm. So lose, dass er es ziehen kann.
Ganz versunken ist er dabei.
In Ultrazeitlupe zieht er das Seil über seine Haut, während er selbst sich dabei zuschaut. Es sieht unendlich sinnlich aus. Ich sitze ihm recht dicht gegenüber auf der Matte und schaue ihn an. Das eine Ende des Seils hat er in der Hand und streicht damit sehr langsam über sein Gesicht.
Ich verstehe es als seine Sehnsucht, g e n a u s o berührt zu werden.
Denn in seinem inneren Raum gibt es keinen zärtlichen Anderen, der Zeit und Freude daran hat, ihn so langsam zu berühren. Weil da nie jemand war. In seiner inneren Welt sind nur Dinge, keine Menschen. Oder nur sachliche Menschen. ‚Versachlichung‘ ist ein Wort, mit dem er immer wieder schmerzhaft spürbar sein Erleben beschreibt.
Es ist still. Ganz still im Raum. Obwohl die anderen um uns herum sind.
Genauso langsam wie er hebe ich meine Hand und fahre mit einem Finger die Spur nach, die er mit dem Seil in seinem Gesicht gelegt hat. Nur ein Stück – wie eine leise Frage. Dann nehme ich meine Hand wieder zu mir.
Ich missverstehe es nicht. Ich habe n i c h t den Erwachsenen beantwortet, sondern das Kind in seiner Einsamkeit.
Er hält inne und lauscht. Nach einer Weile hebt er seinen Blick und schaut mich an. Lange und unverwandt. Es ist nicht auszumachen, was in ihm vorgeht. Wie eine innere Suchbewegung. Dann fängt er an, das andere Ende des langen Seils lose auch um mich herum zu schlingen: Um meine Schultern, meinen Nacken, meine Hüfte.
Ich lausche. Er zieht ein winziges bisschen an seinem Ende – so, dass ich den leisen Zug zu ihm hin an meinem Nacken spüre. Einen Hauch gebe ich nach. Dann lässt er wieder los und ich finde zurück in meine ursprüngliche Position. Ein paarmal macht er das. Er scheint etwas Unbekanntes darin zu erforschen:
Dass jemand seinen leisen Ausdruck bemerkt und ihn in die eigene Welt hinein lässt. Ihm Bedeutung und Wirkung erlaubt.
Wir beide sinken tiefer in die Seile hinein. Als würden unsere Körper Ja sagen zu dieser entstehenden VerBindung. Wir sind jetzt durchgehend im Blickkontakt.
Nach einer Weile kaum merklichen Hin und Hers – wie die Sumpfgräser vor unserem Fenster im Wind – kommt die Feuerprobe: Er will mich im Seil so weit nach hinten sinken lassen, dass ich mich nicht mehr selbst halten kann.
Ich check es sofort. Es ist die Einladung, sein altes Spiel mitzuspielen – dass er es ist, der die Bindungsperson hält. Nicht umgekehrt. Ich bleibe in meiner eigenen Mitte, schaue ihn schmunzelnd an und schüttle fast unmerklich den Kopf.
Er schaut mich sehr aufmerksam an und lässt sich noch tiefer in das Seil hinein sinken.
Auf einmal bewegt sich seine Hand. Von dort, wo er das Seil hält, das von seinem zu meinem Nacken führt, fährt sie am Seil entlang in meine Richtung. Ich merke, dass meine Hand genau gegenüber das Seil festhält. Wie spiegelverkehrt lasse ich meine Hand ihm gleich tun. Lauschend und langsam nähert nun auch meine Hand sich seiner. Er hält nicht inne, sondern fährt mit seiner Hand auf meine. Okay. Ich aktiv unter seine.
So liegen sie eine Weile beieinander, bis sie sich wieder lösen und jede wieder nach Hause geht.
Jetzt scheint er sich finden zu wollen. Er lässt das Seil los. Mit beiden Händen symmetrisch berührt er sein Gesicht. Fest, bis tief in die Muskulatur hinein, wie eine Slow Motion Massage. Seine Stirn. Seine Ohren. Seine Schläfen. Ich sehe, wie sich sein Selbst zusammensetzen will und benutze zum ersten Mal Worte. „Das ist L.s Stirn…- L.s Ohren…- L.s Schläfen…“, sage ich.
Kleinteilige frühkindliche Bestätigung. Er scheint es nicht komisch zu finden.
Seine Augen. Er zieht sie tief nach unten zusammen mit den Wangen. Wie todtraurig sieht es aus. Und gleichzeitig als würde er seine versachlichte Maske von seinem Gesicht ziehen und auf Neustart schalten. Ab jetzt wahrhaftig.
Sein Ausdruck wird mutiger. Er ergreift wieder das Seil und dehnt sich fast hinein. Das geht nur, wenn Sicherheit und Vertrauen gewachsen sind. Ich halte ihn, ohne ihn direkt zu berühren. Ein leises Lächeln auf seinem Gesicht. Sein Raum entsachlicht sich. Und er beginnt Spielraum zu entdecken.
Nach rechts und links ‚nimmt er mich mit‘, lotet den Punkt aus, an dem wir eben noch nicht umfallen. Ich muss kichern, für ihn bleibt es ganz ernst.
Nach diesem verhaltenen ÜberMut verklingt die Aktivität. Kommt wie zur Ruhe. Ich bin ganz ruhig und sehe, wie er in den neuen Raum eintritt.
Den fremden Raum von VerBindung. In dem sich Nervenzellen verbinden, die vorher lose umher geirrt sind in der Suche nach einem Gegenüber.
Fast andächtig schaue ich ihm dabei zu. Sein Gesicht verändert sich. Wird friedlicher, wo vorher eine konzentrierte Spannung war.
Langsam beginnt er, das Seil von mir wieder abzunehmen. Dann ergreift er seinen Körper mit beiden Händen, fasst sich lange fest um seine Schultern. Dann um den Brustkorb. An die Oberschenkel. Um die Knöchel, auf denen er kniet. Und er richtet sich auf. Wo sein Körper zwar immer trainiert, aber im Untergrund schlaff und kollabiert war, erzeugt er jetzt eine natürliche Körperspannung durch sein eigenes Festhalten an sich selbst.
Die anderen im Raum atmen hörbar. Es ist, als würde ein schlafender Riese nach hunderten von Jahren erwachen.
Sein Gesicht verändert sich. Klar sieht es aus. Entschlossenheit hat sich in seinen Blick geschlichen. Und ein fast unmerkliches Lächeln.
Wir spüren, dass es rund ist. Und tragen im Sharing die Früchte zusammen.
TIEF IN SEINEM FUNDAMENT IST EIN SKRIPT FÜR SICHERE BINDUNG ENTSTANDEN – VERBINDUNG, DIE F Ü R I H N IST. IN DER ER BEDEUTUNG HAT.
Praxisbeispiel 3: Paararbeit
„Ich bin immer noch selig, satt und rund“, sagt sie, als sie nach der Einzelsession am vorigen Tag reinkommt. „Das ist so ein neues Gefühl!“
Jetzt liegen da zwei Löcher auf dem Boden. Nebeneinander liegen sie. Das eine davon u n t e r, das andere ü b e r einer Sehnsucht. Genau genommen sind es vier Kissen. Es liegen noch einige andere im Raum – große und kleine. Sie markieren das kollektive Bedeutungsfeld, das im Prozess entstanden ist.
Der letzte von sechs Tagen mit einem wunderbaren Paar. Wir haben Welten bewegt, in jeder einzelnen der zwölf Sessions mit der Frage als Überschrift:
Wie kann es wieder nah werden – emotional und körperlich?
So viele gemeinsame Jahre – die meisten davon nicht einfach. Haufenweise gegenseitige Verletzungen im Gepäck, die nie Raum im Anderen fanden.
Es ist eine sehr verknotete Frage. Einer von den Knoten, die so richtig fest zusammengezogen sind, weil einer am falschen Ende gezogen hat.
Seine Sehnsucht ist unter dem Loch begraben. Es zeigte sich unter seiner Frage, die er immer wieder stellt:
„Was heißt das konkret?“
Erst im Verlauf zeigte sich darunter seine Angst, auch jetzt zuhause wieder zu verkacken. Und darunter eine ganz grundlegende Überzeugung, sowieso verkackt zu haben, grundfalsch und zu unwürdig zu sein, um angenommen und geliebt zu werden.
Das Unwürdigkeitsgefühl lag die ganze Zeit schon im Raum. Jetzt auf einmal wird es in der Annäherung zwischen ihnen konkret.
Ich zitiere Ruth Cohn, die Koryphäe für Vernachlässigungstrauma, die sagte: „Menschen mit dieser Erfahrung fragen immer wieder, was sie TUN sollen angesichts ihres Problems. Diese Frage ist ein unmittelbares Dokument davon, dass da nie jemand war, an den man sich hätte wenden können in emotionaler Überforderung.“
Meine Worte erreichen ihn. Betroffen sagt er:
„Ja, ich hab da ein Loch. Alles klingt dann so theoretisch, und in einem anderen Moment weiß ich dann trotzdem nicht weiter oder komme nicht drauf.“
Ich danke ihm und würdige, dass er sich damit zeigt.
Ein anderer Ausdruck von diesem Loch ist, dass er in der Annäherung von sich aus kaum je darauf kommt, mit dem Blick bei ihr einzuchecken. Er ist versiert darin, in Blitzgeschwindigkeit das Feld zu erfühlen, aber in seiner Innenwelt gibt es keine anderen Menschen.
Sie ist scheinbar ganz anders. Sie schaut ganz viel nach ihm. Checkt ein, hat aber etwas von der Mona Lisa:
Ein mehr oder weniger freundliches Pokerface, das meisterhaft jede lebendige Regung undercover hält.
Sie merkt es nicht.
Als sie in Kontakt gehen wollen, sitzen sie eine ganze Weile Seite an Seite, ein Stück Abstand dazwischen, und schauen sich an.
Schon länger ist die Dynamik deutlich geworden: Beiden ist Nähe fremd – und dennoch heiß ersehnt. Sinnlichkeit und Sexualität sind durch die Kindheit in einer religiösen Vereinigung böse verseucht und mit Ekel behaftet.
Als Jugendliche war sie zu einer 150%igen Jungfrau aus Überzeugung geworden, bis sie ihm begegnete. Tief in sich drin trägt sie sie feste Überzeugung, dass Sexualität nicht angelegt ist in ihr. So tief ist sie verschüttet.
Jegliche Annäherung von seiner Seite war „zu viel“, „zu schnell“ für sie. Eigentlich eher an ihrer Überzeugung vorbei.
Zwischen ihr und ihm geschieht also nichts. Irgendwann frage ich sie:
„Ist es, gemessen an deiner Sehnsucht, schöner, ihn einzuladen oder eingeladen zu werden?“
„Eingeladen werden wär schon schön“, sagt sie und lächelt. Langsam streckt er seine Hand aus und bietet sie ihr an. Sie zögert – diesmal nur einen kleinen Moment – und legt ihre hinein. Er legt seine zweite Hand auf ihre. Dann rastet die Szene ein.
Stille. Dann fängt sie laut an zu lachen, eine ganze Weile. Er wird sichtlich unsicher, ob er etwas falsch gemacht hat.
Dann offenbart sie, was in ihr gewesen war: Schon vor meiner Frage ‚wer lädt ein?‘ hatte sie den Impuls, sich an ihn zu lehnen, war aber nicht sicher. Dann war sie stattdessen den Ereignissen und seiner Einladung gefolgt.
Auf die Idee, seine Einladung so zu beantworten, wie es IHR entspricht… (Zitat:) – „darauf wäre ich nie gekommen.“
Da ist es – IHR Loch. Das gab es im ihrer Erfahrungswelt nicht – das etwas in Beziehung auf sie zugeschnitten wurde. Dass sie darin erwünscht war, mitzuwirken.
Schon im Bauch ihrer Mutter war sie eingefroren vor „zu laut“ und hatte nie die Erfahrung gemacht, selbst ein „Zusammen“ zu gestalten. Immer hatte sie sich erst aus einer Starre herausbewegen müssen – und konnte dann nur noch auf das reagieren, was unterdessen entstanden war.
Darum hatte es sich hier bei uns gezeigt, dass der einzige Weg in ihre Öffnung hinein der war, dass SIE beginnt zu gestalten und ihm Orientierung zu geben. Denn er hatte sich so oft eine blutige Nase geholt, wenn er vorgegangen war, dass er irgendwann komplett damit aufgehört hatte.
Als ich beide einlade, auch diesen beiden Löchern einen Platz im Raum zu geben, legt sie ihr Loch UNTER ihr Sehnsuchtskissen, er seines DRAUF.
Was sie immer genutzt hatten, einander anzukreiden, ist jetzt zu etwas geworden, was sie zwar in ihrem gemeinsamen Sehnen trennt, auf einmal aber auch verbindet.
Weil schamhaft Offenbartes, wenn sie sich ineinander erkennen, zu einem berührenden Geschenk außerordentlichen Vertrauens wird.
Es ist immer weicher geworden im Raum. Hell und warm. Die Sonne scheint durch die Fensterfront und zaubert ein honiggoldenes Leuchten auf das Eichenparkett.
Gemeinsame Heilung als Paar in einer Tiefe, die das üblicherweise erwartbare gesellschaftliche Normal verschiebt.
Mehr → Über mich